Interview mit Tommy Victor (Prong)
Hallo, mein Name ist Gunther und ich erinnere mich daran, als ich das erste Mal Prong hörte. Ich sah den Film „Strange Days“ und hörte den Soundtrack. Ist das Thema Apokalypse immer noch Teil deiner Musik?
Tommy: Hallo Gunther. Ich glaube, man kann behauopen, dass die Apokalypse in vielen unserer Songs Thema ist. Für die anderen Themen lasse ich den Hörern gerne ihre eigene Interpretation. Manche Lyrics sind ziemlich unklar. Sie können nicht einfach so interpretiert werden, es kommen ziemlich viele Fragen auf.
Prong macht eine Mischung aus Hardcore, Thrash & Industrial. In welche Richtung wolltest du zu Beginn deiner Karriere?
Wir wollten anders sein, also war eine Mischung aus unterschiedlichen Stilen notwendig. Zu dieser Zeit – als wir starteten – gab es so enorm viele Hardcore Bands. Also mussten wir uns nicht komplett darauf einlassen. Wir wollten aber niemals Thrash sein, denn wir ,öchten mehr Groove in unserem Sound. Dann beeinflussten uns noch New Yorker Noise Bands. Ich denke das Atribut „Industrial“ rührt daher, dass wir riesige Killing Joke Fans sind und ihren Sound integriert haben.
Prong existiert seit den 80ern und du hast eine Menge an Musik in verschiedenen Stilen veröffentlicht. Wie kannst du deine Musik passend beschreiben?
Manchmal bezeichne ich es als Groove Metal. Doch das umfasst Prong nicht ganz. Ich glaube, Alternative Metal ist da schon passender.

Du hast bereits einige einflussreiche Alben released. Was ist dein Favorit und gibt es welche, die du heute bereust?
Ich habe keinen Favoriten. Bei manchen Alben hatte ich eine sehr gute Zeit, als ich an ihnen arbeitete. Ich hab an den „Cleansing“ (Album 1993 Anm. d. Verf.) Prozess sehr gute Erinnerungen. „Beg To Differ“ (Debut 1990 Anm. d. Verf.) hat auch viel Spaß gemacht. Ich finde, wir trafe ein paar schlechte Entscheidungen bei „Rude Aakening“.(1996). „Scorpio Rising“ (2003) ist nicht so großartig. Ich habe mit einigen Alben Probleme, hauptsächlich aufgrund der Produktion. Songwriting ist, was es ist. Du versuchst dein Bestes, um gute Songs zu schreiben. Manchmal funktioniert es auch. Ich glaube, wir haben ein paar absolute Banger und ein paar Ausfälle. Die wurden aber ignoruert. Es war eine schräge Fahrt – muss ich sagen.
„Cleansing“ ist ein Meilenstein. Ist das eine Last oder ein Segen?
Oh ein Segen! Bei dieser Platte passte einfach alles. Es war eine großartige Zeit, die Songs zu schreiben und aufzunehmen. Wir waren damals unserer Zeit voraus. Ich denke, wir hätten mit dem Album weiter touren sollen, aber das Label holte uns von der Tour und wollte ein neues Album. Mit mehr Engagement hätte diese Platte noch größer und erfolgreicher werden können. Aber sie hat meine Karriere definitiv beflügelt.
Deine Karriere startete in den 80ern. Wie hat sich die Metalszene von damals bis heute verändert?
Man könnte ein Buch darüber schreiben. Mein Hauptargument ist, dass es Metal vor der Digitaltechnik gab, mit Aufnahmen auf Tonband. Und Metal danach, im Grunde Computermusik. Künstler konnten früher nicht das tun, was sie heute können. Heute produzieren Musiker unglaubliche Alben in ihren Schlafzimmern. Früher musste man monatelang mit der Band zusammen sein, monatelang proben und teure Alben in richtigen Tonstudios aufnehmen – und selbst dann nur hoffen, dass sie etwas taugen.
Ist das momentane Line Up stabil und wie schreibt ihr die Musik? Wer ist für as zuständig?
Für gewöhnlich bekomme ich exzellente Musiker und manchmal werden sie mir von größeren Bands weggeschnappt. Normalerweise schreibe ich mit Jemandem zusammen einen Song, wenn er eine gute Idee hat. Chris Collier – der Produzent von „X – No Absolutes“ uns „Zero Days“ – hatte großartige Song Ideen und wir arbeiteten zusammen. Ich schreibe für mich selbst das ganze Jahr lang Ideen für Lyrics in ein Buch. Ich mache das mit Riffs und nehme sie dann auf. Dann wwähle ich ein Riff aus dem Katalog und kombiniere ihn mit den passenden Lyrics. Ich stecke also hinter dem Songwriting Prozess.
Kommen wir kurz zum neuen Live Album „Live & Uncleansed“. Sind die Lieder pur und authentisch geblieben oder mussten sie viel überarbeitet werden?
Nein, die Aufnahmen sind fast unverändert. Alles entspricht der Live-Version. Wir sind ähnlich vorgegangen wie bei Grateful Dead oder Pearl Jam; wir haben jede Show unserer letzten Tournee aufgenommen. Die besten Versionen haben es auf das neue Live-Album geschafft. Prong spielen ziemlich große Konzere. Kannst du dir vorstellen, wieder Undergroung Gigs in kleinen Clubs zu spielen? Wir spielen doch die ganze Zeit in kleineren Clubs. Wir springen von den Festivals in die Clubs. Aus Produktionsgründen ist es gewöhnungsbedürftig. Ich lerne in dieser Hinsicht ständig dazu. Es ist immer eine Herausforderung. Wir überraschen oft mit alten Songs. Was sind deine Pläne für die Zukunft? Wir spielen eine Tour, die uns im März durch Deutschland, Belgien und Holland führt. Außerdem haben wir ein neues Album fertig im Kasten. Es wird Ende des Jahres erscheinen.